Wahlaussage der Liste Sprechende Medizin 2022

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Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Wir sind die einzige Liste, die ausschließlich die Interessen der
ärztlichen Psychotherapeut*innen aller Fachrichtungen und der Sprechenden Medizin in der Vertreterversammlung und den Ausschüssen der KV konsequent vertritt. Die Liste Sprechende Medizin ist die Listenverbindung von bvvp-hessen, DGPT und DGPM. In den vergangenen Jahren konnten wir uns Gehör verschaffen, unsere Anliegen werden von den Kolleg*innen zunehmend wahr und ernst genommen. Erneut treten wir zur Wahl der Vertreterversammlung der KV Hessen an, um für unsere zentralen Themen
berufspolitisch zu kämpfen.

Wir verteidigen das Erstzugangsrecht für Patient*innen zur Psychotherapie!

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Versuche, dieses Erstzugangsrecht zu ersetzen durch verschiedene Lotsen-Modelle, mit denen zum Beispiel Krankenkassen versuchen, stärkeren Einfluss darauf zu gewinnen, wer wen psychotherapeutich behandeln darf. Das wäre eine Benachteiligung und Stigmatisierung seelisch Erkrankter. Bislang konnte das abgewehrt werden. Wir werden weiter wachsam sein!

Die Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein. Unsere Zeit soll den Patient*innen gewidmet sein, nicht der Bürokratie!

In den letzten Jahren mussten wir einen erheblichen Teil unserer Zeit der sogenannten Digitalisierung des Gesundheitswesens widmen. Wir sehen natürlich die Vorteile, die das bieten könnte. Die Möglichkeit zur Videosprechstunde z. B. hat, nicht nur in Pandemiezeiten, unser Behandlungsrepertoire erweitert. Allzu oft ist Digitalisierung aber nur ein Vorwand für Bürokratisierung und die Abwälzung administrativer Aufgaben auf die Praxen und die Möglichkeit, mit den Daten unserer Patienten Gewinne zu erzielen.
Wir fordern eine Entbürokratisierung unserer Tätigkeit!

Wir wenden uns gegen eine von außen aufgezwungene Evaluierung durch Dritte!


Wir sind gegen Datensammelwut: Sensible persönliche Daten müssen bei den Patient*innen und den Praxen bleiben und gehören nicht in die Hände anonymer Institutionen!


Wir treten ein für den Erhalt bewährter Formen der Qualitätssicherung wie Qualitätszirkel und Gutachterverfahren.

In den nächsten Jahren droht eine massive Beschränkung und Veränderung unserer ärztlich-psychotherapeutischen Tätigkeit unter dem Deckmantel sogenannter Qualitätssicherung. Ein noch von der Großen Koalition verabschiedetes Gesetz sieht vor, dass das Gutachterverfahren für die Genehmigung von psychotherapeutischen Leistungen abgeschafft werden soll. An dessen Stelle sollen Tests und Patient*innenbefragungen treten, die vor, während und nach der Behandlung sowohl von den Behandler*innen als auch von externen Institutionen durchgeführt werden müssen. Die konkreten Planungen für diese Überwachungsmaßnahmen sind bereits im Gange und sollen bis Ende 2022 abgeschlossen sein. Ziel ist eine Kontrolle der Behandlungsverläufe und die Identifizierung von „guten“ und „schlechten“ Behandlern, die mit Sanktionen vom „Beratungsgespräch“ bis zu Honorarkürzungen überzogen werden sollen.

Wir befürchten Folgendes:
• Die Beziehung zwischen Psychotherapeutinnen und Patient*innen würde massiv gestört werden.
• Es käme zu einer Selektion der Patient*innen. Weniger schwer beeinträchtigte Menschen mit besserer Prognose würden bevorzugt werden.
• Auf die Psychotherapeutinnen käme eine Welle bürokratischer Verpflichtungen zu, die keinen Beitrag zur Verbesserung der Behandlung leisten.
• Die Daten sollen von externen Dienstleistern erhoben werden, angeblich soll für den Datenschutz gesorgt sein. Nie waren Orwell’sche Fantasien konkreter und bedrohlicher, noch nie sollten derart sensible und zum Missbrauch einladende Datensätze flächendeckend erhoben und zentral gespeichert werden.

Eine unserer zentralen Forderungen ist die bessere Bezahlung aller persönlichen ärztlichen Leistungen, insbesondere des ärztlich-psychotherapeutischen Gesprächs.

In den vergangenen Jahren gab es diesbezüglich wichtige Schritte in die richtige Richtung. Aber es bleibt noch viel zu tun. Noch immer gehören psychotherapeutisch tätige Ärzt*innen zu den Geringverdienenden im KV-System. Noch immer lohnt es sich für Haus- und Fachärztinnen ökonomisch nicht, Patient*innen Zeit und Zuwendung zu geben. Die extrabudgetäre Honorierung unserer Leistungen ist nicht in Stein gemeißelt und wird immer wieder infrage gestellt.
Für niederschwellige Gesprächsleistungen außerhalb der Richtlinienpsychotherapie gibt es immer noch keine angemessene (und extrabudgetäre) Honorierung.

Wir vertreten eine ganzheitliche Sichtweise von Krankheit und Gesundheit, in der seelische, körperliche und soziale Aspekte gleichwertig berücksichtigt werden.

Dafür sind das ärztliche Gespräch und die Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen zentral. Wir stellen uns gegen die zunehmende Ökonomisierung und Bürokratisierung unserer Gesundheitsversorgung und gegen eine Zersplitterung der ärztlichen Versorgung, die nur noch Symptome und Spezialisierung kennt und den kranken Menschen aus dem Blick verliert.

Wir unterstützen eine enge regionale Zusammenarbeit zwischen Psychotherapeutinnen, Haus- und Fachärztinnen bei der Versorgung psychisch Erkrankter durch Vernetzung.

Diese schließt die Entwicklung von arztgruppenübergreifenden Qualitätsstandards ein. Für uns ist dies ein Beitrag zu einer stärker patientenorientierten Krankenversorgung. Gleichzeitig sorgen wir dadurch dafür, dass die Freiberuflichkeit der ambulanten Versorgung erhalten bleibt. Wir wollen keine Medizin in den Händen des Staates, der Krankenkassen oder großer Investorengruppen. Sprechen gehört prinzipiell zu allem ärztlichen Handeln! Mit der Erfahrung aus inzwischen über 20 Jahren Berufspolitik in der KVH werden wir mit unseren Kandidatinnen dafür eintreten.

Wir wollen die Stimme der Kolle*ginnen aller Fachrichtungen sein, die diese Sichtweise teilen.

Treten wir denen entgegen, die den geschützten Raum der Psychotherapie schleifen wollen und eine allseitige Kontrollierbarkeit der Menschen anstreben! Besuchen Sie uns auf unserer Webseite, treten Sie mit uns in Kontakt, schreiben Sie uns über Ihre Erwartungen, stellen Sie Ihre Fragen! Machen Sie mit bei unserer Arbeit und beim Wahlkampf der Liste Sprechende Medizin! Verbreiten Sie diesen Wahlaufruf unter allen interessierten Kolleginnen und Kollegen!


Wählen Sie die Liste Sprechende Medizin und werben Sie für unsere gemeinsame Sache!

Listenführerin und Koordinatorin: Dr. med. Irina Prokofieva
Jahnstr. 49, 60318 Frankfurt
Tel: 069-96200395
Fax: 069-97590643
Mail:i.prokofiev@t-online.de